Rio Samba

Rio Samba - Geschichte, Tradition, Instrumente und Entwicklung

Ein Blick hinter die Kulissen - ein Musikstil geht um die Welt

Artikel von Nana Zeh

19. Jahrhundert

19. Jahrhundert


Die brasilianische Musik war bis ins 19. Jahrhundert mehr oder weniger aufgeteilt:

die weiße Oberschicht hörte und spielte europäische Musikstile, tanzte nach Polkas, Menuetten und Walzern, wogegen die schwarze Bevölkerung, Sklaven und freigekaufte ehemalige Sklaven, afrikanische und afro-brasilianische Musik und Tanz praktizierten, häufig übergreifend Batuque genannt. Mit der Zeit veränderte sich die Musik. Vor allem durch die schwarzen Berufsmusiker der Orchester vermischten sich Elemente der unterschiedlichen Musikkulturen. Der Rhythmus wurde synkopischer, die Spielweise insgesamt anders und Texte sowie Tänze sinnlicher.

 

Mit der Sklavenbefreiung 1888 zog es viele Schwarze in die damalige Hauptstadt Rio de Janeiro und nach São Paulo, wo es mehr Arbeit als im Nordosten gab. Das musikalische Zentrum des Landes, das vorher in Bahia war, zog somit nach Rio de Janeiro, wo seit der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert neue, brasilianische Musikstile wie der Lundu, die Modinha und der Maxixe als Vorläufer des Samba entstanden. Die ehemaligen Sklaven, die auf der Suche nach Arbeit dorthin kamen, konstruierten sich ihre eigenen Viertel nahe des Hafens, wo viele Arbeit fanden, und in den Vororten der Stadt, wo die ersten „Favelas“ entstanden. In der Cidade Nova, im sogenannten „kleinen Afrika“, wo heute das Sambodrom steht, entstanden viele moderne Musikstile wie der Samba. 

 

20. Jahrhundert

20. Jahrhundert


Sambista zu sein war allerdings bis in die 1920er/30er Jahre bei Gefängnisstrafe verboten.

Die Weiterentwicklung dieser Musik hat das allerdings nicht verhindern können, denn im Geheimen wurde weiterhin Samba gespielt, meist als Roda de Samba, bei dem mit Gesang, Percussion, Gitarre und Cavaquinho in kleiner Runde um einen Tisch gesessen und gespielt wird, während alle anderen dabei singen und tanzen. Dies geschah überwiegend in Häusern der „Tias“, älterer Afrobrasilianerinnen, aus Bahia nach Rio gezogen und Priesterinnen afrobrasilianischer Religionshäuser. Denn Samba war zwar verboten, aber religiöse Zeremonien des Candomblé waren erlaubt, und so holten sich die Tias die Erlaubnis für religiöse Feste und davor und danach wurde Samba gespielt. So entstand z.B. der erste offizielle Samba „Pelo Telefone“, der 1917 aufgenommen wurde, im Hause der berühmt gewordenen Tia Ciata am Praça 11 bei einem solcher Feste.


Der Samba als Nationalkultur

Die Verfolgung endete, als im Zuge der Bewegung nach nationaler Kultur und Identität in den 1930er Jahren der schwarze Samba entdeckt und zum typischen Kulturgut Brasiliens erhoben wurde, da die Gesellschaft sich nun auch kulturell von ihrem ehemaligen Kolonisator Portugal befreien wollte. Das Samba Verbot wurde aufgehoben und der neue Musikstil wurde im aufkommenden Radio gespielt. Damit war der Beginn gegeben, die schwarze bzw. gemischte Musikkultur vom Rand der Gesellschaft ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken, wo sie sich heute immer noch befindet.


Die erste Sambaschule „Deixa Falar“

Den Karneval gab es selbstverständlich bereits vor dem Aufkommen der Sambaschulen, denn die Portugiesen brachten diesen katholischen Brauch mit. Vor allem die weiße Mittel- und Oberschicht vergnügte sich beim Entrudo und den Umzügen der Ranchos und Sociedades. In den 1920er Jahren wollte die arme Bevölkerung nun ebenso wie die Reichen am Karneval durch die Stadt ziehen und auf ihre Art Karneval feiern. So entstanden die Sambaschulen. Wie auch die anderen Formen des Samba, begann diese Entwicklung in den Favelas der Zona Norte – dem Nordteil der Stadt. 1928 wurde im kulturell sehr aktiven Stadtviertel Estácio die erste Sambaschule gegründet: „Deixa Falar“ - „lass sie reden“. Natürlich hatte ein Desfile damals ganz andere Dimensionen als heute. Die Bateria von „Deixa Falar“ bestand aus: ”Tamborins, Butterdosen, Cuicas und Pandeiros“ (1). Kurz darauf wurden auch Surdos eingeführt, und in den 30er Jahren spielten die Baterias z.B. mit 3 Surdos, Tarol (eine schmale Caixa), Tamborim, Pandeiro, Cuica, Chocalhos, Reco-Reco und Prato e Faca (Teller mit Messer). Insgesamt hatten die Baterias zu dieser Zeit 25 – 30 Spieler und die gesamte Sambaschule bestand aus etwa 350-400 Personen, die alle kräftig mitsangen, da selbstverständlich niemand Mikrofone hatte. „Deixa Falar“ löste sich kurze Zeit später wieder auf, aber der Anstoß für den neuen Karneval der vor allem afro-brasilianischen Bevölkerung war gegeben.

1) Revista História do samba, Rio de Janeiro, Editora Globo, S.A..1997. Capítulo 4, S. 61

 

 

21. Jahrhundert

21. Jahrhundert


Sambaschulen heute:

Heute haben sich diese Dimensionen deutlich verändert: Bei den großen Sambaschulen sind 4000-5000 Sambistas aktiv, davon 250-300 Ritmistas in der Bateria. Die Sambaschulen sind professionelle Organisationen, in denen viele Menschen hauptamtlich mitarbeiten, um beim Wettbewerb an Karneval möglichst zu gewinnen. Außer Samba gibt es noch etliche weitere Aktivitäten, wie Sport, Gesundheits- und Sozialprojekte, vor allem für die Bevölkerung der benachbarten Viertel und ihren Favelas. Aber der Samba ist selbstverständlich das Hauptthema. Es gibt wie beim Fußball verschiedene Ligen (2) mit Auf- und Abstieg, insgesamt etwa 70-80 Sambaschulen, die allein in Rio von der Grupo Especial bis zur Grupo E existieren. Die großen Schulen defilieren im Sambódromo in der Avenida Marquês de Sapucaí, (wegen dieses Straßennamens oft kurz Sapucaí genannt), offiziell Passarela Professor Darcy Ribeiro. Die Sapucaí wurde 1984 von dem berühmten Architekten Oscar Niemeyer speziell für den Karneval der Sambaschulen gebaut. Die über 72.000 Zuschauer sehen darin die Sambaschulen bei ihrem 700 Meter langen Umzug bei perfekter Licht- und Tonschau.

2) Die verschiedenen „Ligen“ der Sambaschule:

  • Grupo Especial mit derzeit 12 Schulen
  • Grupo de Acesso (derzeit ca. 20 Schulen)
  • Grupos B (14) bis E (8) in Vororten

 

 


Ein Blick hinter die Kulissen der Sambaschulen von Rio de Janeiro

Was sind Sambaschulen?

Sambaschulen sind kulturelle Vereinigungen, welche als Ziel die Teilnahme am Karneval haben. Die Umzüge der Sambaschulen im Sambodrom, der so genannten „Passarela do Samba“, bilden heute einen Großteil des Karnevals in Rio de Janeiro, der landesweit live im Fernsehen ausgestrahlt wird. Dem offiziellen Namen einer Sambaschule wird in der Regel die Abkürzung G.R.E.S. vorangestellt (Grêmio Recreativo Escola de Samba), was in etwa „Freizeitvereinigung Sambaschule“ heißt.

Aufbau einer Sambaschule

Eine Sambaschule besteht aus weit mehr als nur dem Trommelorchester „Bateria“, die von Juni bis zum Karneval proben. Wichtiger Bestandteil sind auch die Tanzgruppierungen wie „Passistas“3, „Baianas“4 und immer häufiger Gruppen (Alas) mit aufwendigen Choreographien.

Das Desfile - der Umzug

Der Umzug einer Sambaschule wird von der Eingangskommission „Commisão de Frente“ angeführt und die Schule selbst von „Porta-Bandeira“ und „Mestre Sala“ - wie die Fahnenträgerin und ihr Tanzpartner mit aufwendigen Kostümen heißen - repräsentiert. Neben diesen Pflichtgruppen gibt es die kommerziellen Tanzgruppen - „Alas“ genannt - für die sich jeder Interessierte ein Kostüm kaufen und damit beim Desfile aktiv mitwirken kann. Alle Kostüme und allegorischen Wagen haben einen Bezug zum jährlich wechselnden „Enredo“, dem Thema, welches vom künstlerischen Leiter, dem Carnevalesco, ausgewählt und konzipiert wird. Das Lied, der Samba de Enredo, bezieht sich selbstverständlich auch auf diesen Enredo, besingt berühmte brasilianische Persönlichkeiten, brasilianische Landschaften und Kulturen, Lebensweisheiten etc.

Beim Desfile selbst werden von den Jurymitgliedern insgesamt 50 Noten in verschiedenen Kategorien vergeben (davon werden nur 4 gewertet, die schlechteste fällt raus): 

  1. Mestre-sala e Porta-bandeira (Saalmeister und Bannerträgerin)
  2. Comissão de frente (Eingangskommission, die das Thema vorstellt)
  3. Fantasias (Kostüme)
  4. Alegorias e adereços (alegorische Wagen und Schmuck)
  5. Conjunto (Zusammenspiel aller Gruppen)
  6. Enredo (Thema des Umzuges)
  7. Evolução (Ausarbeitung des Themas)
  8. Harmonia (Harmonie, ob alle gut zusammensingen und spielen)
  9. Samba de Enredo (Sambakomposition)
  10. Bateria



3 Passistas heißen die Tänzerinnen und Tänzer, die sich in regelmäßigen Proben und Tests qualifizieren, um an Karneval mit leichten Kostümen (z.B. Bikini für die Frauen) in der Nähe der Bateria zu tanzen. 

4 Baianas sind meist verdiente Frauen der Sambaschulgemeinschaft. Sie sind berühmt für ihre Choreographie, bei der sie sich mit ihren weiten Kleidern im Kreis drehen. Die Baianas sind eine der Pflichtgruppierungen der Sambaschulen – in Erinnerung an die Frauen aus Bahia, die nach Rio de Janeiro kamen und fundamental für die Entstehung afrobrasilianischer Kultur wie dem Samba waren. 


Die Musik

Instrumente, Lieder und Arrangements:
In der Bateria einer Sambaschule spielen heute bis zu 300 Perkussionisten mit den typischen Sambainstrumenten: Surdo, Caixa, Repinique, Tamborim, Chocalho, Cuica und in einigen Baterias auch Agogô (2er oder 4er) sowie Becken.

Instrumentierung

Die ca. 40-50 Surdos bilden mit ihren drei Stimmen „Surdo de primeira“, „Surdo de segunda“ und „Surdo de terceira“ und den häufig mehr als 100 Caixas und 30-40 Repiniques die Basis. Chocalhos (Rocar), Tamborins und Cuicas (und wenn vorhanden Agôgô, Becken) spielen mit jeweils 30-50 Spielern in der vorderen Hälfte der Bateria.

Kenner identifizieren beinahe jede Bateria innerhalb weniger Takte auf Grund ihres individuellen Swings, denn jede Sambaschule hat ihre eigene spezifische Anordnung und Instrumentenverteilung, die ihrer Bateria den charakteristischen Klang und Swing geben. Außerdem spielen bspw. Surdos de terceira und Caixa sambaschul-spezifische Grundrhythmen, die Tamborins haben charakteristische Arrangements und auch die Art der Breaks ist von Schule zu Schule unterschiedlich.

Unterschiede der Baterias

Als Beispiel für einen großen Unterschied mag die Bateria der „Estação Primeira de Mangueira“ dienen: sie spielt nur mit zwei Surdostimmen, der „Surdo de primeira“, welche auf „2“ und „4“ spielt und der kleinen „Surdo mor“, die ähnlich wie die „Surdo de terceira“ auf und zwischen den Schlägen der „Primeira“ variiert. Das Fehlen der „Surdo de segunda“ auf die Zählzeiten „1“ und „3“ verändert den Charakter der Bateria deutlich. Auch die Bateria der Sambaschule „Mocidade Independente de Padre Miguel“ unterscheidet sich durch einen einzigartigen Groove der Caixas, den keine andere Bateria in Rio de Janeiro so spielt. Außerdem spielt die Mocidade traditionell mit einer umgekehrten Stimmung der Surdos de primeira und segunda. 5

Der Karneval

An Karneval begleitet die Bateria während des derzeit 82 Minuten langen Desfiles das von mehreren Sängern und allen mittanzenden Sambaschulmitgliedern gesungene Lied Samba de Enredo. Bei dem speziell für diesen Samba de Enredo erarbeiteten Arrangement spielt die Bateria mehrfach die verschiedenen Breaks des Jahres, alle genau auf das Lied zugeschnitten.

Am Aschermittwoch werden dann, öffentlich und live im Fernsehen übertragen, die Noten bekanntgegeben. Mit jeder guten oder schlechten Note wachsen die Emotionen bis dann am Ende die jubelnde Siegerschule und die verzweifelte Verliererin, die in die 2. Liga absteigt, feststehen.


Normalerweise ist die Surdo de primeira die am tiefsten gestimmte Surdo, die Surdo de segunda etwas höher und die Surdo de terceira die höchste Surdo. Bei der Mocidade ist die Surdo de segunda die tiefste Surdo. 

Samba Batucada in Rio de Janeiro und in Europa – zwei unterschiedliche Musikstile?

Samba in  Europa – eine Kopie des Originals oder eine eigene Musikkultur?

Zwei Baterias spielen Samba Batucada: eine in Rio de Janeiro und eine in Europa. Eigentlich spielen sie die gleiche Musik oder doch nicht?

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Phänomen, wie und warum sich eine europäische (und hier speziell deutsche) Bateria von einer brasilianischen unterscheidet und um konzeptionelle Veränderungen, die der Samba in Deutschland durchlaufen hat. In einem Vergleich sehen wir, dass bereits bei grundlegenden Punkten Unterschiede bestehen:

Wer und warum? 

Um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen, schauen wir uns erstmal die Entstehung der brasilianischen Sambaschulen an. In den 1920er Jahren wurde die erste Sambaschule von Sambistas eines armen Arbeitsviertels gegründet, um sich aktiv am Karneval zu beteiligen. Die meisten Mitglieder waren Afro-brasilianer, welche nicht die Möglichkeit hatten, bei den Vereinigungen der weißen Oberschicht mitzufeiern.

Ziele

Hauptziel dieser neu erfundenen Sambaschulen war also, am Karneval mitzuwirken: viele kostümierte Tänzer und Sänger wurden von der anfänglich etwa 30-köpfigen Bateria begleitet und zogen stundenlang und praktisch ohne Pausen oder Breaks durch die Straßen. Die Sambalieder – Hits des Jahres und bekannte Gassenhauer wurden von allen Mitgliedern gesungen, während die Bateria den Rhythmus zu Lied und Tanz bot. Die Bateria spielte damals praktisch durchgehend den Sambarhythmus  und unterschied nur zwischen Refrain (etwas lauter) und Strophe (etwas leiser). Die Tamborins, Agogôs und Chocalhos hatten dabei  eine wichtige Funktion: im Refrain spielten alle mit, die Tamborins z.B. den sogenannten Carreteiro (6), während in der Strophe die Chocalhos aufhörten und die Tamborins in den leiseren „Teleco-teco“ übergingen. Die Agogôs variierten in der Strophe individuell und waren daher weniger kompakt als im Refrain mit einem einheitlichen Rhythmus.

Entwicklung

Im Laufe der Zeit wurden die Sambaschulen größer und professioneller, was zu vielen Veränderungen führte. Heute werden die bis zu 5000 Mitglieder einer Sambaschule von einer Bateria mit ca. 300 Ritmistas und professionellen Sängern begleitet. 1959 „erfand“ Mestre André der Sambaschule Mocidade Independente de Padre Miguel die Breaks der Bateria und seitdem sind sie eine der Attraktionen der Baterias. Medien und Fachpublikum schauen heutzutage vor allem auf die Breaks (Paradinha, Convenção oder Bossa genannt), denn sie werden immer komplexer, länger und z.T. mit aufwendigen Choreographien inszeniert. Auch die Tamborins haben mittlerweile – seit den 1980er/1990er Jahren – eigene Arrangements, die auf den jährlichen Samba de Enredo zugeschnitten sind. Waren diese Arrangements ursprünglich simples Aufeinanderfolgen von unterschiedlichen Patterns vorwiegend für den 2. Teil des Sambas, also die Strophe, so werden heute komplizierte Begleitmelodien zum Samba de Enredo komponiert.

Soziale und politische Hintergründe

Überall in Brasilien wird der Karneval mit der regional typischen Kultur gefeiert: In Rio de Janeiro und São Paulo sind die Sambaschulen die Hauptattraktionen, in Bahia die Blocos Afro und die Trio Elétricos, in Pernambuco der Maracatu und der Frevo, um nur einige Beispiele zu geben. In all diesen Gruppen ist ein Großteil der Mitspieler aus ärmeren Bevölkerungsschichten, für die das Spielen in einer Bateria außer der Freizeitbeschäftigung und (manchmal) einem Nebenverdienst vor allem eine Bestätigung der kulturellen Identität und des Selbstbewusstseins ist. Der Stolz auf die Sambaschule, den Bloco Afro oder die Maracatugruppe wird auch durch die jährlichen Themen ausgedrückt; afrikanische bzw. afro-brasilianische Themen (7) sind dominant und drücken den politischen Kampf um Gleichberechtigung aus. Es sind die speziell zu diesen Themen komponierten Lieder, die Sambas de Enredo, welche die Inhalte den Mitwirkenden wie dem Publikum nahebringen. Und die Hauptaufgabe der Bateria ist es, diese Lieder zu begleiten.

Selbstverständlich haben heutzutage alle Baterias ihre „Show der Bateria“, in der sie mit Breaks und Arrangements zeigen, was sie können, aber nach wie vor sind sie hauptsächlich zur Begleitung von Gesang und Tanz da und dafür grooven sie stundenlang im Sambarhythmus.


6 Carreteiro wird der Tamborim-Groove genannt, wenn das Instrument gedreht wird.
7 Die Blocos Afro haben ja größtenteils afro-brasilianische oder afrikanische Themen fest in ihren Grundsätzen verankert.

Samba in Europa

In den 1970/80er Jahren kamen in Europa die ersten Sambagruppen auf. Natürlich kann man nicht von „der typischen Sambagruppe“ in Europa sprechen, allerdings sind einige Begebenheiten auffallend. Viele europäische Gruppen spielen verschiedene brasilianische Rhythmen und nicht nur einen, wie es in Brasilien üblich ist. Samba ist nur einer von mehreren Stilen. Außerdem spielte ein Großteil der Gruppen rein instrumental, begleitet also keinen Gesang, wie im Ursprungsland üblich. Seit Beginn des 21. Jahrhundert nehmen zunehmend mehr Sambagruppen Gesang zumindest für größere Bühnenauftritte hinzu, aber in den ersten 20-30 Jahren der Sambaszene war dies sehr selten.

Unterschiede zwischen brasilianischen und europäischen Sambagruppen

Bei den musikalischen Unterschieden zwischen Brasilien und Europa geht es hier nicht um besser oder schlechter spielen, sondern  um musikalische Unterschiede wie bei den Arrangements.

Als Beispiel wählen wir typische deutsche Sambagruppen aus den 1980/90er Jahren aus:
Sie spielen meist ohne Gesang , daher haben die „Stücke“ nicht automatisch eine Form bzw. ein Arrangement wie oben aufgezeigt bei brasilianischen Sambaschulen. Gesang bietet Unterschiede wie Refrain und Strophe, Anfang und Ende – alles Elemente, die ohne ihn fehlen.
Musikalische Elemente vom Samba aus Rio de Janeiro wurden also übernommen und den hiesigen Verhältnissen angepasst.
Breaks der Bateria können natürlich eins-zu-eins übernommen werden, hierbei werden auch Breaks verschiedener Sambaschulen und unterschiedlicher Jahre in ein Stück genommen.
Das Tamborim z.B. ist ein Instrument, das in deutschen Baterias eine strukturell andere Rolle spielt als in Brasilien. In Ermangelung eines Liedes verändern die Tamborins ihren Groove und spielen unterschiedliche „Patterns“ oder „Linien“ auf Kommando des Mestre. Dazu werden z.T. Choreographien oder Begleitungen der restlichen Bateria erfunden, damit das Ganze auch publikumswirksam ist. Gerade die arrangierten Linien der Tamborins, die in Rio de Janeiro während der Strophe gespielt werden, sind in Europa als Strukturelement für Soli, Groove- oder Instrumentenwechsel und Showelemente üblich.

Diese Veränderungen der musikalischen Struktur und Form sind für hiesige Sambagruppen durchaus sinnvoll, denn viele Gruppen spielen überwiegend bei Veranstaltungen auf der Straße oder unverstärkt auf der Bühne. Die Einbindung von Gesang bedeutet also neben der Schwierigkeit, jemanden zu finden, der portugiesisch singt, auch ein technisches Hindernis. Europäische Sambagruppen spielen ja nicht nur zum Karneval, sondern bei vielen verschiedenen Veranstaltungen, wo technisches Equipment nicht selbstverständlich ist.

In Rio de Janeiro bedeutet „verschiedene“ Stücke zu spielen, mehrere Sambas de Enredo zu singen und zu begleiten. In  Europa wird die Abwechslung des Programms durch viele Breaks oder arrangierte Veränderungen und bei vielen Sambagruppen zusätzlich noch durch eine Vielfalt von Musikstilen bewirkt.

21.Jahrhundert

Mit dem 21. Jahrhundert hat sich die Situation verändert; viele Sambagruppen haben sich  auf einen brasilianischen Musikstil spezialisiert, integrieren Gesang und Harmonien wie in Brasilien und nähern sich dem „Original“ zunehmend an bzw. entwickeln sich stilsicher mit eigener musikalischer Identität weiter. 


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