Joãosinho Trinta verstorben

Joãosinho Trinta ist tot!

Heute Morgen starb der Carnevalesco Joãosinho Trinta, eine der großen Persönlichkeiten des Carnaval Carioca mit 78 Jahren in seiner Heimatstadt in São Luiz im Bundesstaat Maranhão. Für viele Sambistas war er der „mestre dos mestres“, der Meister aller Meister (Zitat Laila, Direktor der Sambaschule Beija Flor) mit seiner kreativen und innovativen Art den Karneval, das traditionellste und bekannteste aller brasilianischen Feste, zu feiern. Durch seine künstlerische Kreativität und Modernität verhalf er diesem Fest zu der Größe, die es heutzutage hat und in der Welt bekannt machte als dem „maior espetáculo da Terra“, dem größten Spektakel auf Erden.

Ein Carnevalesco ist der künstlerische Leiter einer Sambaschule, sozusagen der Regisseur des Karnevals. Er entwickelt das alljährlich wechselnde Thema seiner Sambaschule und erarbeitet passend dazu Kostüme und allegorische Wagen. Auch der Samba de Enredo, das Lied des Karnevals, wird inhaltlich von ihm bestimmt; im Samba de Enredo wird die Geschichte des Themas erzählt, egal ob es um das Amazonas-Gebiet, die Goldminen aus Minas Gerais oder um berühmte Persönlichkeiten geht.

Joãosinho Trinta, der gebürtig aus dem Maranhão kam, zog nach Rio de Janeiro, um Ballett zu studieren. Nach seinem Studium war er Mitglied des Ballettensembles des Teatro Municipal, mit dem er Opern von brasilianischen und europäischen Komponisten wie Carlos Gomes und Giuseppe Verdi aufführte.

Doch 1961 lernte er die Sambaschulen kennen und kam als Assistent des Carnevalesco zur Sambaschule Salgueiro. Nach einigen Jahren erfolgreicher Arbeit als Assistent wurde er 1973 als Carnevalesco angestellt und gewann 1974 und 1975 gleich zweimal hintereinander. Seine Desfiles sind durch Accessoires geprägt, die Reichtum und Luxus darstellen. Mit folgendem berühmt gewordenen Satz charakterisierte er sein Werk sehr passend:

“O povo gosta de luxo; quem gosta de miséria é intelectual”.
“Das Volk mag Luxus, wer die Misere mag, das sind die Intellektuellen”

Als er später zu Beija-Flor wechselte heimste er auch dort etliche Titel ein und machte die vormals unbekannte Schule zu einer der großen Favoriten. Am bekanntesten wurde allerdings ein Desfile, mit dem er keinen Titel holte, sondern große Polemik hervor rief. Und zwar nicht mit Luxus und Glanz, sondern genau mit dem Gegenteil. Mit allegorischen Wagen voller Müll und Armut, Figuren von Ratten und Geiern und vor allem einem Abbild von Christus wie auf dem Corcovado landete die Sambaschule Beija-Flor 1989 vor Gericht. Noch vor dem Karneval verbot die Kirche mit Hilfe des Gerichts das Abbild von Christus an Karneval. Joãosinho Trinta überzog daraufhin die riesengroße Christus-Figur mit einer schwarzen Plane und schrieb darauf: „mesmo proibido, olhai por nós“ („selbst verboten, schaut her zu uns“).
Auch wenn er dieses Jahr nicht den Titel holte, so wurde dieses Desfile doch berühmt.

Übrigens, als Viradouro mit seinem bekannten Funk-Break 1997 das einzige Mal Meister wurde, war – natürlich – Joãosinho Trinta der Carnevalesco.

Beim nächsten Karneval, im Februar 2012, plante Beija-Flor Joãosinho Trinta auf einem seiner allegorischen Wagen zu ehren, da ihr Thema “São Luís – Maranhão” sein wird. Eigentlich sollte er als Ehrengast dabei sein….

Viele Sambaschulen werden Joãosinho Trinta an diesem Wochenende voller Proben würdigen als eine der wichtigsten Personen für die Entwicklung der Sambaschulen, ihre künstlerische Gestaltung und ihre phantasievollen visuellen und inhaltlichen Qualitäten.

Selbst der Bürgermeister von Rio de Janeiro, Eduardo Paes, hat drei Tage Staatstrauer ausgerufen, um diesen genialen Künstler zu ehren.

Mit einem Zitat vieler Sambistas Cariocas möchte ich enden.
“Joãosinho fará falta ao mundo do samba.”
Joãosinho wird der Welt des Sambas fehlen!

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